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Beschlüsse

Beschlüsse rechtssicher formulieren: 12 Vorlagen für die WEG-Versammlung

Drei Wörter zu viel, ein Halbsatz zu wenig — und ein Beschluss ist anfechtbar. Diese 12 Mustertexte decken 80 % der Tagesordnungspunkte ab, die Sie als Verwalter pro Jahr sehen. Geprüft nach §§ 23, 25 WEG und gegen die aktuelle BGH-Rechtsprechung.

18. April 2026 11 Min. Lesezeit Sebastian Rötsch
Editorial-Hero: § 23 WEG Wortlaut & Mehrheitsbestimmung

12

Mustertexte für die häufigsten TOPs

Praxis-Set 2026

80 %

Anteil typischer Tagesordnung

Branchen-Erfahrung

3

Mehrheits-Arten zu kennen

§§ 23, 22, 20 WEG

1 Monat

Anfechtungsfrist nach Beschluss

§ 45 WEG

Was macht einen Beschluss „anfechtungssicher“?

Ein Beschluss ist juristisch ein einseitiger Rechtsakt der Eigentümergemeinschaft. Er muss bestimmt genug sein, dass er ohne Auslegung umgesetzt werden kann — und er muss wörtlich ins Protokoll. Wer hier kreativ wird, schafft Anfechtungsoptionen.

Die drei Mehrheits-Arten — kompakt erklärt

AspektVoraussetzungAnwendung
Einfache MehrheitJa > Nein. Enthaltungen zählen nicht. Auch 1 Ja gegen 0 Nein gilt.Standard für 90 % aller Beschlüsse: Wirtschaftsplan, Jahresabrechnung, Verwalterbestellung, bauliche Veränderungen.
Qualifizierte MehrheitMindestens 2/3 der abgegebenen Stimmen UND 50 % aller MEADoppel-Mehrheit nach § 21 (2) WEG bei baulichen Veränderungen, wenn Kosten von allen mitgetragen werden sollen.
AllstimmigkeitZustimmung aller Eigentümer (auch der nicht anwesenden!)Sehr selten — z. B. Änderung der Teilungserklärung außerhalb der gesetzlich erlaubten Mehrheits-Beschlüsse.
Hinweis: Bei der einfachen Mehrheit gilt das „Wertprinzip“ nach § 25 WEG — die MEA-Größe der zustimmenden Eigentümer entscheidet, nicht die Köpfe.

Verwaltung & Finanzen

Beschlussvorlage

§ 28 (2) WEG

1. Genehmigung der Jahresabrechnung

Beschluss: Die Jahresabrechnung [Wirtschaftsjahr] wird in der
vorliegenden Form genehmigt. Die sich daraus ergebenden
Nachzahlungen / Guthaben werden zum [Datum] fällig.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen / abgelehnt
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

§ 28 (1) WEG

2. Beschluss über Wirtschaftsplan

Beschluss: Der Wirtschaftsplan [Jahr] wird mit einem
Hausgeldgesamtaufkommen von [Betrag] € genehmigt.
Die Hausgeldvorauszahlungen werden ab [Datum] in der vom
Wirtschaftsplan vorgesehenen Höhe fällig.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

§ 27 WEG

3. Entlastung des Verwalters

Beschluss: Dem Verwalter [Firma] wird für das Geschäftsjahr
[Jahr] Entlastung erteilt.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

§ 28 (3) WEG

4. Sonderumlage

Beschluss: Zur Finanzierung von [Maßnahme/Zweck] wird eine
Sonderumlage in Höhe von insgesamt [Betrag] € erhoben.
Die Umlage wird nach MEA verteilt und ist zum [Fälligkeit]
zur Zahlung fällig. Die Verwaltung wird beauftragt, die
Einzelaufstellung binnen 14 Tagen zu versenden.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Bauliche Maßnahmen

Beschlussvorlage

§ 19 WEG

5. Erhaltungsmaßnahme (z. B. Dachsanierung)

Beschluss: Die Verwaltung wird beauftragt, die Dachsanierung
gemäß Angebot der Firma [Name, Datum, Angebotsnummer] zu
einem Höchstbetrag von [Betrag] € zu beauftragen. Die Kosten
werden aus der Erhaltungsrücklage entnommen.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

§ 20 (1) WEG, § 21 (2) WEG

6. Bauliche Veränderung — PV-Anlage

Beschluss: Die Verwaltung wird ermächtigt, eine
Photovoltaik-Anlage gemäß Angebot der Firma [Name] vom
[Datum] zu einem Höchstbetrag von [Betrag] € zu beauftragen.
Die Kosten werden gemäß § 21 Abs. 2 WEG nur von den
zustimmenden Eigentümern getragen, sofern nicht 2/3 Mehrheit
und 50 % MEA erreicht werden.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit (Doppel-Mehrheit für Kostenverteilung)

Beschlussvorlage

§ 20 (2) Nr. 2 WEG

7. Bauliche Veränderung — Wallbox / Lade-Infrastruktur

Beschluss: Auf Antrag des Eigentümers [Name] wird die
Errichtung einer Wallbox am Stellplatz Nr. [X] genehmigt.
Die Kosten der Errichtung sowie der Stromzählung trägt
ausschließlich der antragstellende Eigentümer. Die WEG
behält sich Vorgaben zur Ausführung (Zertifizierung,
Anschluss) vor.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit (privilegierte Maßnahme)

Verwalterbestellung & Verträge

Beschlussvorlage

§ 26 WEG

8. Bestellung des Verwalters

Beschluss: Die [Firma] wird zum Verwalter der WEG für den
Zeitraum [von – bis] bestellt. Die Vergütung beträgt
[Betrag] € pro Einheit/Monat zzgl. USt.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

§ 26a WEG

9. Abschluss des Verwaltervertrages

Beschluss: Der Verwaltervertrag in der Fassung vom [Datum]
mit den im Anhang genannten Vergütungsregelungen wird
beschlossen. Die Verwaltung wird ermächtigt, den Vertrag
zu unterzeichnen.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Gemeinschaftsordnung & Sonderfälle

Beschlussvorlage

§ 19 (1) WEG

10. Hausordnung erlassen

Beschluss: Die als Anlage 1 beigefügte Hausordnung wird
beschlossen und tritt zum [Datum] in Kraft.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Beschlussvorlage

BGH V ZR 12/19

11. Vermietung an Plattformen (z. B. Airbnb)

HINWEIS: Eine Untersagung der kurzfristigen Vermietung
greift nur, wenn sie als VEREINBARUNG (Allstimmigkeit oder
Eintragung in der Teilungserklärung) gefasst wird. Ein
einfacher Mehrheitsbeschluss wäre nichtig.

Empfehlung: Wenn unter den Eigentümern keine Allstimmigkeit
zu erreichen ist, kann ein BESCHLUSS mit Verfahrensregeln
(Anmeldepflicht, Genehmigungsverfahren) gefasst werden — das
Verbot selbst muss aber in der Teilungserklärung verankert
werden.
Vereinbarung erforderlich — Beschluss reicht NICHT

Beschlussvorlage

§ 27 WEG

12. Gerichtliche Vertretung

Beschluss: Die Verwaltung wird ermächtigt, die WEG in dem
Rechtsstreit [Aktenzeichen / Gegenstand] gerichtlich zu
vertreten und einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Die
Kosten werden aus dem laufenden Hausgeld bzw. der
Erhaltungsrücklage gedeckt.

Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Einfache Mehrheit

Drei Regeln, die jeden Beschluss anfechtungsfest machen

  1. Konkretisierung: Beschlüsse müssen so präzise sein, dass sie ohne Auslegung umsetzbar sind. „Wir machen was am Dach“ ist nichtig — „Beauftragung Firma X laut Angebot vom 12.03.2026 bis 48.000 €" ist anfechtungssicher.
  2. Wörtliche Übernahme: Niemals während der Reinschrift glätten. Lieber [PRÜFEN]-Marker setzen und mit dem Beirat klären.
  3. Kostendeckung mitbeschließen: Jeder Maßnahmen-Beschluss sollte angeben, woher das Geld kommt — Rücklage, Sonderumlage oder Wirtschaftsplan.

Wir verteilen Beschlussvorlagen mittlerweile vier Wochen vor jeder Versammlung mit der Einladung. Die Diskussionen sind danach deutlich kürzer, das Protokoll praktisch fertig — und in den letzten 18 Monaten hatten wir null Anfechtungen.

Markus K.Inhaber Verwaltung Müller-Kühne, 480 Einheiten

FAQ

Müssen Beschlüsse wörtlich verlesen werden?

Ja. Der genaue Wortlaut muss in der Versammlung verlesen werden, damit alle Eigentümer wissen, worüber sie abstimmen. Im Protokoll wird er dann unverändert übernommen. Wer hier kreativ wird, schafft Anfechtungsrisiken.

Was passiert, wenn der Antrag in der Versammlung modifiziert wird?

Der modifizierte Wortlaut wird vor der Abstimmung erneut verlesen. Diskussion + neue Formulierung kommt ins Protokoll, abgestimmt wird aber nur über den letzten verlesenen Wortlaut.

Reicht eine elektronische Abstimmung (per App)?

Seit der WEG-Reform 2020 sind elektronische Abstimmungen in Hybrid-Versammlungen zulässig — sofern dies vorher per Beschluss ermächtigt wurde. Das Ergebnis muss aber von der Versammlungsleitung verifiziert und ins Protokoll aufgenommen werden.

Statt selbst zu schreiben: Audio hochladen, Protokoll prüfen.

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