Beschlüsse
Beschlüsse rechtssicher formulieren: 12 Vorlagen für die WEG-Versammlung
Drei Wörter zu viel, ein Halbsatz zu wenig — und ein Beschluss ist anfechtbar. Diese 12 Mustertexte decken 80 % der Tagesordnungspunkte ab, die Sie als Verwalter pro Jahr sehen. Geprüft nach §§ 23, 25 WEG und gegen die aktuelle BGH-Rechtsprechung.
12
Mustertexte für die häufigsten TOPs
Praxis-Set 2026
80 %
Anteil typischer Tagesordnung
Branchen-Erfahrung
3
Mehrheits-Arten zu kennen
§§ 23, 22, 20 WEG
1 Monat
Anfechtungsfrist nach Beschluss
§ 45 WEG
Was macht einen Beschluss „anfechtungssicher“?
Ein Beschluss ist juristisch ein einseitiger Rechtsakt der Eigentümergemeinschaft. Er muss bestimmt genug sein, dass er ohne Auslegung umgesetzt werden kann — und er muss wörtlich ins Protokoll. Wer hier kreativ wird, schafft Anfechtungsoptionen.
Die drei Mehrheits-Arten — kompakt erklärt
| Aspekt | Voraussetzung | Anwendung |
|---|---|---|
| Einfache Mehrheit | Ja > Nein. Enthaltungen zählen nicht. Auch 1 Ja gegen 0 Nein gilt. | Standard für 90 % aller Beschlüsse: Wirtschaftsplan, Jahresabrechnung, Verwalterbestellung, bauliche Veränderungen. |
| Qualifizierte Mehrheit | Mindestens 2/3 der abgegebenen Stimmen UND 50 % aller MEA | Doppel-Mehrheit nach § 21 (2) WEG bei baulichen Veränderungen, wenn Kosten von allen mitgetragen werden sollen. |
| Allstimmigkeit | Zustimmung aller Eigentümer (auch der nicht anwesenden!) | Sehr selten — z. B. Änderung der Teilungserklärung außerhalb der gesetzlich erlaubten Mehrheits-Beschlüsse. |
Verwaltung & Finanzen
Beschlussvorlage
§ 28 (2) WEG1. Genehmigung der Jahresabrechnung
Beschluss: Die Jahresabrechnung [Wirtschaftsjahr] wird in der vorliegenden Form genehmigt. Die sich daraus ergebenden Nachzahlungen / Guthaben werden zum [Datum] fällig. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen / abgelehnt
Beschlussvorlage
§ 28 (1) WEG2. Beschluss über Wirtschaftsplan
Beschluss: Der Wirtschaftsplan [Jahr] wird mit einem Hausgeldgesamtaufkommen von [Betrag] € genehmigt. Die Hausgeldvorauszahlungen werden ab [Datum] in der vom Wirtschaftsplan vorgesehenen Höhe fällig. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
§ 27 WEG3. Entlastung des Verwalters
Beschluss: Dem Verwalter [Firma] wird für das Geschäftsjahr [Jahr] Entlastung erteilt. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
§ 28 (3) WEG4. Sonderumlage
Beschluss: Zur Finanzierung von [Maßnahme/Zweck] wird eine Sonderumlage in Höhe von insgesamt [Betrag] € erhoben. Die Umlage wird nach MEA verteilt und ist zum [Fälligkeit] zur Zahlung fällig. Die Verwaltung wird beauftragt, die Einzelaufstellung binnen 14 Tagen zu versenden. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Bauliche Maßnahmen
Beschlussvorlage
§ 19 WEG5. Erhaltungsmaßnahme (z. B. Dachsanierung)
Beschluss: Die Verwaltung wird beauftragt, die Dachsanierung gemäß Angebot der Firma [Name, Datum, Angebotsnummer] zu einem Höchstbetrag von [Betrag] € zu beauftragen. Die Kosten werden aus der Erhaltungsrücklage entnommen. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
§ 20 (1) WEG, § 21 (2) WEG6. Bauliche Veränderung — PV-Anlage
Beschluss: Die Verwaltung wird ermächtigt, eine Photovoltaik-Anlage gemäß Angebot der Firma [Name] vom [Datum] zu einem Höchstbetrag von [Betrag] € zu beauftragen. Die Kosten werden gemäß § 21 Abs. 2 WEG nur von den zustimmenden Eigentümern getragen, sofern nicht 2/3 Mehrheit und 50 % MEA erreicht werden. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
§ 20 (2) Nr. 2 WEG7. Bauliche Veränderung — Wallbox / Lade-Infrastruktur
Beschluss: Auf Antrag des Eigentümers [Name] wird die Errichtung einer Wallbox am Stellplatz Nr. [X] genehmigt. Die Kosten der Errichtung sowie der Stromzählung trägt ausschließlich der antragstellende Eigentümer. Die WEG behält sich Vorgaben zur Ausführung (Zertifizierung, Anschluss) vor. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Verwalterbestellung & Verträge
Beschlussvorlage
§ 26 WEG8. Bestellung des Verwalters
Beschluss: Die [Firma] wird zum Verwalter der WEG für den Zeitraum [von – bis] bestellt. Die Vergütung beträgt [Betrag] € pro Einheit/Monat zzgl. USt. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
§ 26a WEG9. Abschluss des Verwaltervertrages
Beschluss: Der Verwaltervertrag in der Fassung vom [Datum] mit den im Anhang genannten Vergütungsregelungen wird beschlossen. Die Verwaltung wird ermächtigt, den Vertrag zu unterzeichnen. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Gemeinschaftsordnung & Sonderfälle
Beschlussvorlage
§ 19 (1) WEG10. Hausordnung erlassen
Beschluss: Die als Anlage 1 beigefügte Hausordnung wird beschlossen und tritt zum [Datum] in Kraft. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Beschlussvorlage
BGH V ZR 12/1911. Vermietung an Plattformen (z. B. Airbnb)
HINWEIS: Eine Untersagung der kurzfristigen Vermietung greift nur, wenn sie als VEREINBARUNG (Allstimmigkeit oder Eintragung in der Teilungserklärung) gefasst wird. Ein einfacher Mehrheitsbeschluss wäre nichtig. Empfehlung: Wenn unter den Eigentümern keine Allstimmigkeit zu erreichen ist, kann ein BESCHLUSS mit Verfahrensregeln (Anmeldepflicht, Genehmigungsverfahren) gefasst werden — das Verbot selbst muss aber in der Teilungserklärung verankert werden.
Beschlussvorlage
§ 27 WEG12. Gerichtliche Vertretung
Beschluss: Die Verwaltung wird ermächtigt, die WEG in dem Rechtsstreit [Aktenzeichen / Gegenstand] gerichtlich zu vertreten und einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Die Kosten werden aus dem laufenden Hausgeld bzw. der Erhaltungsrücklage gedeckt. Abstimmung: Ja: __ | Nein: __ | Enthaltung: __ — angenommen
Drei Regeln, die jeden Beschluss anfechtungsfest machen
- Konkretisierung: Beschlüsse müssen so präzise sein, dass sie ohne Auslegung umsetzbar sind. „Wir machen was am Dach“ ist nichtig — „Beauftragung Firma X laut Angebot vom 12.03.2026 bis 48.000 €" ist anfechtungssicher.
- Wörtliche Übernahme: Niemals während der Reinschrift glätten. Lieber [PRÜFEN]-Marker setzen und mit dem Beirat klären.
- Kostendeckung mitbeschließen: Jeder Maßnahmen-Beschluss sollte angeben, woher das Geld kommt — Rücklage, Sonderumlage oder Wirtschaftsplan.
Wir verteilen Beschlussvorlagen mittlerweile vier Wochen vor jeder Versammlung mit der Einladung. Die Diskussionen sind danach deutlich kürzer, das Protokoll praktisch fertig — und in den letzten 18 Monaten hatten wir null Anfechtungen.
Markus K.Inhaber Verwaltung Müller-Kühne, 480 Einheiten
FAQ
Müssen Beschlüsse wörtlich verlesen werden?
Ja. Der genaue Wortlaut muss in der Versammlung verlesen werden, damit alle Eigentümer wissen, worüber sie abstimmen. Im Protokoll wird er dann unverändert übernommen. Wer hier kreativ wird, schafft Anfechtungsrisiken.
Was passiert, wenn der Antrag in der Versammlung modifiziert wird?
Der modifizierte Wortlaut wird vor der Abstimmung erneut verlesen. Diskussion + neue Formulierung kommt ins Protokoll, abgestimmt wird aber nur über den letzten verlesenen Wortlaut.
Reicht eine elektronische Abstimmung (per App)?
Seit der WEG-Reform 2020 sind elektronische Abstimmungen in Hybrid-Versammlungen zulässig — sofern dies vorher per Beschluss ermächtigt wurde. Das Ergebnis muss aber von der Versammlungsleitung verifiziert und ins Protokoll aufgenommen werden.
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